Mittwoch, 6. April 2016

Keine Einladung zum Geburtstag.

 
 
Nichts versetzt mich schneller um 3/4 bis 7/8 meines Alters zurück in meine Kindheit als Gespräche mit meinen Kindern.
Kennt ihr das?... ein einziger Satz und wuuuusch - ihr befindet euch in einer Zeitmaschine und fühlt euch selbst wieder wie 5 oder 12?

Erst vor kurzem wieder erwischte mich dieses Phänomen beim Abholen meines Sohnes aus der Kita:

"Mama, den Kevin-Justin-Dustin-Jason lade ich nicht zu meinem Geburtstag ein!"

In Anbetracht der Tatsache, dass der Geburtstag noch in einiger Ferne liegt, fragte ich zurück, was denn die Begründung sei.

"Wir sind keine Freunde mehr." Schulterzucken. Keine weitere Stellungnahme zu erhalten.

Nächster Tag. Ich hole meinen Sohn wieder aus der Kita ab, früher als üblich.
Fast tränenreicher Abschied mit gefühlten 1000 Umarmungen und Küssen mit Kevin-Justin-Dustin-Jason bis zum Ausgang. "Bis morgen, ne?!" "Ja, bis morgen- und dann gehen wir wieder auf den Berg ne- pass gut auf unsere Stöcker auf!" "Ja, mach ich!"

Vorsichtiges Nachhaken auf dem Weg zum Auto..."Ich dachte ihr seid keine Freunde mehr?"

"Doch Mama, wir haben entschieden dass wir doch wieder Freunde sind. Beste Freunde!"
 

Zack, da war er, der Moment.
Erinnert ihr euch??
Dasselbe Spiel gab es schon vor 30 Jahren.
So einfach und so simpel.
Es wird gestritten- zack, keine Freunde mehr. Höchststrafe wird verhängt: Keine Einladung zum Geburtstag erhalten.
Nächster Tag: Friede Freude Eierkuchen, du darfst beim Gummitwist mitmachen, uns fehlt einer, zack, beste Freundinnen, gemeinsame Planungen für die Geburtstagsfeier.
So einfach ging das.
 

In der Pubertät ändert sich das Verhalten  zu Freundschaften. Freundschaften müssen unter Beweis gestellt werden. Gemeinschaftliches inbrünstiges Hassen der Obertussis, Ignorieren von Mädchen, die mit dem Schwarm der besten Freundin GESPROCHEN hat obwohl sie doch weiß, dass Justine-Michelle-Emily tooootal auf ihn steht! Simultanes dämliches Grinsen, wenn der Angebetete in 200 m Entfernung den Zebrastreifen überquert und anschließend stundenlanges analysieren dieses Moments.
Keine Geheimnisse vor der anderen haben, alles ins kleinste Detail immer und immer wieder bequatschen- zur Begrüßung und zum Abschied Umarmung, Küsschen und Umarmung. Liebesbekundungen mit Edding auf Rucksäcken und Federmäppchen, Zwillingsoutfits, Freundschaftsarmbänder und was nicht alles dazu gehört.
Bei Verstoßen gegen ungeschriebene Konventionen dieses Beziehungsgeflechts wird inständig gehasst, geweint, gegenseitig übereinander gelästert- um dann letztlich in einem Gespräch unter Tränen die gegenseitige Liebe zu versichern,  die Fehler der anderen aufzuzählen, zu ermahnen, dass das und das geändert werden muss damit die Freundschaft funktioniert- und zack, rennen sie wieder wie eineiige Zwillinge durch die Gegend.
 
 
Freundschaft im jungen Erwachsenenalter erreicht hingegen eine völlig neue Stufe. Die eigene neue Unabhängigkeit nach Erreichen der Volljährigkeit sowie eigenes Einkommen und ggf. eigene Wohnung bestärken darin, die eigene Meinung kund zu tun und total offene ehrliche Freundschaften zu führen. Da wird sehr gern einfach rausgehauen was am anderen stört- und erklärt, dass man einfach nur ehrlich ist.  Die Welt wird gemeinsam erobert, das Leben gefeiert und die Freundschaft im Rudel zelebriert. Keine Party ohne Gang. Gemeinschaft als Erlebnis. Da kommt keiner rein- und wagt der Schwarm der Gang es, ein bis dato nicht zur Gang gehörendes Mädel als seine Neue zu präsentieren und einfach MITZUBRINGEN, wird diese inständig von allen Mädchen gehasst. Gruppengefühl macht stark.
 
 
Dann wird man älter- und man stellt fest, dass Freundschaft mehr ist als gemeinschaftliches Feiern bis in die Morgenstunden.
Freunde, die da sind, wenn man sie braucht, mit denen man am Lagerfeuer sitzen und tiefe Gespräche führen kann,- oder Freunde die zufällig auch Kinder haben und die Interessen sich so super ergänzen. (Die Freunde mit Kindern und Freunde ohne Kinder Diskussion führe ich hier nicht aus, das wäre ein eigenes Thema :-D)
Du sortierst radikal aus, beschränkst dich auf die "wahren, echten Freunde", wie du denkst. Bei Streits bist du konsequenter, überlegst dreimal, ob sich ein Weiterführen lohnt oder du einfach einen Haken dahinter setzt.
 
Und dann... bist du Mitte 30.
 
 
Alles was du dachtest, über Freundschaft zu wissen, löst sich ins Nichts auf.
Dazu braucht es vielleicht nur einen Menschen. Einen besonderen Menschen.
Du dachtest, niemals verzeihen zu können. Niemals werdet ihr wieder Freunde sein können. Niemals.
 
 
Nein, es ist egal, was ihr gemeinsam erlebt habt, welche Erinnerungen ihr zusammen habt. Es ist alles egal, denn da war dieser Verrat. Diese Enttäuschung. Die Wut und die Tränen.
Niemals.... nein NIEMALS.
 
 
Und dann- eines Tages steht ihr euch gegenüber. Einfach so.
 
Und es ist, einfach so, Freundschaft.
 
Weil Freundschaft einfach ist.
 
Nicht mehr und nicht weniger.








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Mein Outfit entstand während des Probenähens für Fred von Sohos Familienbande 2.0
Die Hose ist die Lieblingsbuxe, Pullover ist Prachtweib, Jacke ist das Herzblatt.
Die Plotts auf Hose und Pulli sind exklusive FvS Plotts für meinen Workshop auf der Achwiefein Näh Lan Party 2016 in Celle.
Die Kordel ist von Grelu, die Stoffe aus dem Regal der pastellfarbenen Sweats bei Achwiefein.
Die Friese ist neu und von Friseur Cordes aus Wienhausen.
Die ostdeutsche Mauer steht in meinem Garten.
Fotograf: i proudly present MEIN EHEMANN.

Und weil ich mein Outfit sooooo liebe und nur noch trage, geht's damit zu RUMS



Mittwoch, 9. März 2016

Are you still on the same planet with us?


"Man sieht und hört gar nichts von euch... ihr meldet euch gar nicht. Seid ihr noch auf demselben Planeten wie wir?"
 
Diese und ähnliche Fragen höre ich seit einigen Monaten immer öfter.
 
 
 
 
Meine Antwort darauf?
 
Ich weiß nicht wirklich was ich sagen soll- außer: "Wir brauchen das im Moment!"
 
DAS... was ist DAS, was wir brauchen?
 
Ich hab es hier und auf dem FB Blog vielleicht mal durchblitzen lassen- aber nie wirklich ausgesprochen.
 
 
 
Wir sind wieder da.
Wir sind zurück- mitsamt Möbelwagen und allem was wir noch hatten, sind wir wieder da. Hier, in Deutschland.
1 Jahr früher als geplant und viel eher als wir es uns gewünscht hatten.
Die Entscheidung fiel ziemlich genau vor einem Jahr- also kurz nach meiner OP.
Ich hatte keine Stimme mehr, konnte nicht sprechen, hatte Erstickungsanfälle zu jeder Tageszeit, konnte nicht trinken ohne Atemnot zu bekommen, weil Atmen und Trinken gleichzeitig nicht mehr funktionierten.
 
Und dann "bot" man uns an, zurück zu gehen. Um all das, was passiert war, zu verarbeiten.. damit ich gesund werden könnte, eingebettet ins deutsche Krankenkassensystem und mit deutscher ärztlicher Versorgung. Mit Logopädie und was sonst noch nötig wäre.
 
Wir haben zugesagt. Um unser und unser Kinder Willen.
 
 
Also haben wir den Umzug geplant für die Sommerferien. Wollten in den Osterferien nur noch mal nach Deutschland und das Haus so weit herrichten, dass es wieder halbwegs bewohnbar war. Wir hatten ja nichts mehr hier. Keine Zwischendecken- keine Türen, keine Bilder an den Wänden, keine Betten,..keinen Fußboden...
Auf dem Weg für diese 2 Wochen "Umzugsvorbereitungsferien" landeten wir bei Stauffenberg morgens um kurz vor 7 unterm Sattelschlepper.
Auch dieser Tag jährt sich in einem Monat zum ersten Mal.
Aus 2 Wochen wurden 2 Monate, die wir hier festhingen- um dann für knapp 4 Wochen noch einmal zurück zufahren und Abschied zu nehmen und Kisten zu packen.
Und so... waren wir Ende Juli wieder hier.
Doch wirklich angekommen, so ganz, sind wir erst seit Weihnachten.
Und jetzt, wo wir uns hier wieder eingelebt haben, einen Alltag haben (mehr oder weniger), beginnt das Verarbeiten.
All das, was wir die ganze Zeit eigentlich weggedrückt haben, um den Kopf oben halten zu können, um kämpfen zu können, damit nicht alles auseinanderbricht, kommt jetzt in Bewegung.
 
 
 
Wir KÖNNEN im Moment gar nichts anderes, als nur in unserem kleinen Universum leben. In unserem Zuhause, das wir, mit Hilfe von vielen unglaublichen Menschen, wieder zu einem Zuhause gemacht haben. Bewohnbar. Mit Zwischendecken und Fußboden und Türen... und einigen Bildern an den Wänden.
 
Wir KÖNNEN gar nicht anders, als hier auf unserem Sofa zu liegen und zu genießen, dass es uns gibt- uns alle. Mama, Papa und 3 Kinder. Inklusive Hund und Kater.
 
Wir haben gar keine Energie, uns auf etwas zu konzentrieren, das außerhalb unseres tagtäglichen Alltags passiert.
Nicht weil wir nicht wollen- oder kein Interesse haben.
 
Wir lernen, wieder eine normale Familie zu sein. Katastrophenfrei. Ohne Durchhalteparolen und Zusammenreißen, Tränen wegwischen und weiter kämpfen.
Wir lernen, zu genießen, zusammen zu sein- und ein Familienleben zu haben, Zeit miteinander zu verbringen. GUTE Zeit.
 
Wir fokussieren uns auf uns- auf das, was überhaupt erst dazu geführt hat, dass wir all das als Familie überhaupt überstehen konnten- und noch immer eine Familie sind.
Wir genießen, dass wir uns lieben und zusammen sind.
 
Für uns gibt es im Moment nichts kostbareres, als diese Zeit.
Es werden wieder Zeiten kommen, in denen wir das Leben vor der Haustür wieder wahrnehmen und daran teilnehmen werden.
 
Früher konnte ich nie genug davon bekommen, dass die Wohnung voll ist mit Menschen, mit Freunden. Ich mochte es, zu feiern, sie um mich zu haben, lecker zu essen und laut zu lachen.
 
Das kann ich nicht mehr.
 
Ich kann mich nicht mehr auf mehrere Personen auf einmal konzentrieren.
Ich habe dafür keine Kraft mehr.
Abgesehen davon, dass ich so lange und so laut auch gar nicht mehr reden und lachen kann. Ich bin zufrieden, dass ich meinen Alltag sprechmäßig auf die Reihe bekomme. Meinen Kindern inzwischen wieder Gute Nacht Geschichten vorlesen kann (Ja, das war lange nicht möglich).... dass ich lachen kann oder auch mal ein ganzes Lied am Stück mitsingen kann. 2 schaffe ich noch nicht, aber das muss ich auch nicht.
 
Was ich brauche ist.. DAS.
 
Meine Familie.
 
 
 
Alles andere kommt von ganz allein. Irgendwann.
 
Und darum antworte ich, wenn mir jemand sagt "Von euch hört und sieht man ja gar nichts mehr" :
 
"Das brauchen wir im Moment einfach."
 
Dem- ist nichts hinzuzufügen.
 
 
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Doch.. eine Anmerkung hab ich noch:
mein Kleid ist die Smilla von Susis Kreation- und die Weste ist die Wild Wild Weste - auch von Susi.
Ich wollte schon immer eine rosa Zottelweste haben. Nun hab ich sie <3
Ich liebe das Kleid, ich liebe die Weste.
Und ich liebe den Stoff und das Muster.
<3
Und das.. ist auch gut so!
 
 

Donnerstag, 11. Februar 2016

Ich mach dann mal was für ... MICH

Mein Plan für 2016 ist recht simpel:
Glücklich sein.
 
Haha, hört sich einfach an, ist aber, wenn man es genau betrachtet, gar nicht so einfach.
Haushalt, 3 Kinder, 1 Hund, 1 Kater- und ein Ehemann. Und mein Job. Und nähen. Und Konventionen mit gesellschaftlichen Verpflichtungen, Geburtstagseinladungen, Verabredungen, Kindergeburtstagen, Schuleingangsuntersuchungen, U-Termine, Impftermine, Frisörtermine, ....
 
Irgendwann hab ich vor lauter Terminen die Übersicht verloren.
Und auch uns.

 
 
 
 
 
Die Konsequenz war, dass ich mich mal hingesetzt und überlegt hab, was eigentlich fehlt, so zum GLÜCKLICH sein. Oder was falsch ist an dem , was wir wie machen.
 
 
Als erstes hab ich mich hingesetzt und arbeite seit 1. Januar meine To Do Liste ab. Sachen, die ich seit Monaten vor mir her geschoben hab. Papierkram, Termine, Pakete, Briefe... immer dachte ich, ein wenig wie Scarlett O´Hara:
 
"MORGEN, morgen geh ich heim nach Tara und arbeite meine fucking Liste ab."
 
Und dann.. war wieder was. Oder ich einfach müde. Oder so gar überhaupt nicht in Stimmung.
 
Seit Beginn des Jahres sitze ich also dran.
 
Gut 3/4 hab ich schon geschafft- ein Ende ist in Sicht.
 

 

Familie bedeutet Arbeit.
 
Es bedeutet nicht, irgendwie alle unter einen Hut zu kriegen, sich von Terminen erschlagen zu lassen und abends tot ins Bett zu fallen.

Es bedeutet, auch mal zu überlegen, ob der ein oder andere Termin tatsächlich notwendig ist. Oder ob er vielleicht ganz gestrichen oder verschoben werden kann- auf dann, wenn mehr Luft im Kalender und in der Motivation ist.
 
 
 
 
Ich habe angefangen, Dinge bewusster zu tun- und auch zu hinterfragen.
 
"Muss ich das jetzt? Muss ich das tun, will ich das tun? Oder habe ich nur Angst, was ANDERE von mir denken, wenn ich NEIN sage?"

 
 
Das Losmachen von dem Nachdenken darüber, was ANDERE von mir erwarten, hat mich ziemlich befreit. In allem.
 
Es ist mir EGAL was andere von mir erwarten. Ich bin keine schlechte Mutter, weil ich meine Kinder NICHT um halb 8 in der Kita abliefere- sondern meist erst auf den letzten Drücker.
 
 
Ich liebe und genieße es, dass ich meine Kinder morgens mit Knuddeln und Küssen wecken kann- und wir jeden Morgen zu 3. unter der weißen Flauschedecke auf dem Sofa kuscheln, bevor wir uns anziehen.
 
Ich liebe es, dass meine Kinder zusammen im Bad stehen und Zähne putzen, dabei singen und tanzen. Und ich finde es faszinierend, dass meine 2 jährige sich allein aus- und anzieht. Nicht immer ist der Pulli dabei richtig herum, aber sie macht es alleine. Während ich die Brote für die Kita schmiere und den Kakao in die Mikrowelle stelle.
 
Manchmal dauert es länger. Manchmal liegen die Schlafanzüge verteilt im ganzen Haus und wir müssen erst auf Socken-Suche gehen bevor wir los fahren können.

Manchmal mache ich nicht mal die Betten, bevor wir das Haus verlassen- sondern erst wenn ich wiederkomme.
 

Aber jeden Morgen sitzen wir im Auto und singen und haben Spaß.
 
Wir sind entspannt. 
 
 
Erwachsen werden sie noch früh genug.
Verpflichtungen erwarten sie auch noch genug in ihrem Leben.
 
Junior wird diesen Sommer eingeschult.
Bis dahin möchte ich morgens seinen Schlafgeruch genießen wenn er aus dem Bett getapert kommt und mir seinen Traum erzählt, während unsere Füße unter der Flauschedecke verknotet sind.
 
 
 
 
 
 Und ganz ehrlich:

Glück kann man nicht kaufen. Glück kriegt man nicht abgefüllt in Tüten an der Supermarkt Theke.
Glück ist, was du draus machst.

Und mein Glück ist , wenn ich morgens mit 2 Schlafgeruchmäusen auf dem Sofa liege. Und wir abends Kokosnuss lesen. Und wenn ich nachts in Zimmer schleiche wo sie um die Wette schnarchen.

Aber manchmal.... ist auch Stoff Glück.
Nämlich wenn er so perfekt zu einem Schnitt passt wie mein altrosafarbener Sweat von Achwiefein, den ich zu einer La Wanda verarbeitet hab.

<3
Und weil ich das für mich genäht hab, ganz ganz allein, geht's jetzt damit zu RUMS

Ja ich weiß, Donnerstag nachmittag um halb fünf ist die beste Zeit schon vorbei- aber die Kleine hat die 2. Nacht in Folge durchgeschlafen, ein Wunder, das ich in über 2 Jahren bislang nicht erlebt hab. Mir war mein Schlaf wichtiger als Posten ;-)

Und jetzt.. Zeit zum Glücklich sein!


Bella


Montag, 8. Februar 2016

Früher war alles besser. WIRKLICH?

"Früher war alles besser."
 
Ich habe mich inzwischen selbst dabei ertappt, wie mir dieser Satz das ein oder andere Mal über die Lippen kam.
 
Vieles war anders als heute.
Aber nicht unbedingt besser.
 
Ich bin ein Kind der 80er, großgeworden bin ich zwischen Neuer Deutscher Welle, dem Mauerfall, Bauchnabelpiercings, Arschgeweihen, Buffalo Boots, Schlaghosen, Gummitwist, Stickertauschen, Plastikschnullern an Halsketten, Haddaway, Ace of Base und Marusha. Auch Cotton Eye Joe und Kurt Cobain, berühmt berüchtigte Apfelkuchen und die Love Parade zählen zu der Zeit, in der ich vom Kind zum Teenager wurde.
 
Früher war alles besser.
 
Nicht für mich.
Als Juni-Kind war ich immer die Jüngste in der Klasse. Und dummerweise beschloss mein Körper erst nach Ende der 10. Klasse, zu wachsen, so dass ich viele verdammte Jahre auch immer die Kleinste war. Als ob das nicht reichen würde, war ich nicht nur die mit der Brille, sondern auch noch die, die 24 Stunden am Tag eine Klammer tragen musste. Ein Außengestell mit Gummi um den Kopf.
Nicht einmal im Fremdsprachenunterricht durfte ich sie rausnehmen.
 
Meine Pubertät erlebte ich also als Zwerg mit Robocop-Antenne und ohne Brüste.
 
Es war ein Volkssport, mir die Schuhe weg zu nehmen und sie auf die Holzbalken unter der Decke zu legen- dort kam ich nicht mal ran, wenn ich auf einen Stuhl stieg.
 
Beim Sport wurde ich immer als letzte in die Gruppen gewählt- ich saß meist auf der Bank.
Außer bei Völkerball- da war ich meist die erste, die gewählt wurde, weil ich so klein und wendig war, dass mich der Ball selten bis nie traf. Meiner schulsportlichen Karriere half das allerdings trotzdem nicht.
 
Während andere "miteinander gingen" bekam ich höchstens mal einen berühmt berüchtigten Frage-Zettel, der zur allgemeinen Erheiterung diente.
 
Bei der Klassenfahrt nach Trier war es sogar unglaublich interessant, während meiner Abwesenheit meine Unterwäsche zu durchsuchen, um sich über meine BH Größe zu amüsieren.
 
Nein- früher war nicht alles besser.
 
Erst in den Sommerferien zwischen der 10. und 11. Klasse wuchs ich plötzlich rasant- und entwickelte auch sonst eindeutig körperliche Merkmale, die mich von einem "Brett" unterschieden.
 
Die "Hau-drauf" Rolle behielt ich trotzdem angehaftet, Klassenkameraden wird man ja nicht einfach los.
 
 
Inzwischen bin ich 35.

Die Schulzeit liegt lange hinter mir- und auch obligatorische Klassentreffen habe ich mehr oder wenig freudig erregt hinter mich gebracht.
 
 
Nein, früher war nicht alles besser. Keineswegs.
Aber - ich habe vieles draus gelernt.
Ich habe gelernt, dass die, die in der Schulzeit die beliebten und coolen sind, im späteren Leben nicht unbedingt die sind, die es weit bringen. Oder die unglaublich tolle Charaktere haben.
Ich habe gelernt, dass mein Durchhalten dieses Spießrutenlaufens jeden verdammten Tag mir beigebracht hat, weiter zu machen.
Nicht für andere- sondern für mich.
 
Ich habe gelernt, nicht aufzugeben- und auch nicht immer zu zeigen, was ich wirklich fühle.
 
Aber- ich habe auch gelernt, konsequent zu sein.
Mein Gerechtigkeitssinn und mein Streben nach Weltfrieden mag für viele unverständlich sein- vor allem in der Konsequenz in der ich das durch ziehe.
 
Ich habe mir selbst geschworen, dass ich nie wieder das kleine Mädchen sein werde, dass nichts sagt- und nur lächelt.
Die nicht zeigt, wie verletzt und traurig sie ist und wie klein sie sich fühlt.
 
Es gibt nur 2 Optionen:
Klappe halten.
Oder lauter sein.
Lauter als die anderen.
Lauter als der Mob der dich klein macht. Lauter sein und aufstehen und mit dem Finger auf die Ungerechtigkeit zeigen und sagen:
"Nicht mehr mit mir!"
 
Ich habe mich entschieden, laut zu sein.
Und ich habe mich entschieden, meine Töchter zu lauten Mädchen zu erziehen.
Mädchen, die wissen, was falsch und richtig ist und dafür einstehen.
Auch wenn es sich manchmal verdammt scheiße anfühlt, das Richtige zu tun, so ist es besser, als das Falsche zu tun und sich noch mieser zu fühlen.
 
Rückgrat statt Gleichschritt.
 
Dafür stehe ich.
Ich kann nicht ändern, wie meine Schulzeit gelaufen ist.
Aber ich kann dafür sorgen, dass meine Töchter sich niemals so fühlen müssen.
 
Sie sollen stark sein und laut. Verdammt laut. Und sie sollen den Mut haben, einzustehen für das, was ihnen wichtig ist. Vor allem für sich selbst.
 
Das ist der Grund, warum ich meiner kleinen Tochter das SHUT UP or be louder auf ihren Schlawiner geplottet hab.
 
 
 
Sie SOLL laut sein.
Wild und frech und mutig und LAUT!
 
Damals gab es genug, die mitgelaufen sind, mitgejohlt haben, geklatscht und sich toll fühlten, im Klassenverband auf die Kleinen, Schwachen draufzuhauen.
Meine Töchter werden niemals solche Lemminge werden. Keine Mitläufer.
 
Meine Mädchen sind LOUD!
 
And so am I.


Mittwoch, 27. Januar 2016

Wo ist denn 2015 hin??

Kuckuck......
 


 
Das neue Jahr hat doch eben erst begonnen, oder?
Irgendwie fühlt sich das schon wieder an, als wäre es EWIGKEITEN her, dass wir Raclette gemacht und "Dinner for One" geschaut haben, um dann letztlich wieder zwischen 4 verschiedenen Uhren hektisch hin und her zu schauen.. "Ist schon soweit ? Ja is, schau... ja dann frohes neues Jahr!!" Knutsch, Bussi, Umarmung, preparierte Neujahrsnachrichten versenden, versonnen in den Himmel schauen wie andere ihr Geld verpulvern, seufzend fragen, wie lange das Geballer wohl noch geht und ob man überhaupt zum Schlafen kommt-
und bevor das Gehirn überhaupt geschnallt hat, dass man jetzt 2016 schreiben muss, ist auch schon wieder Ende Januar und es gab Halbjahreszeugnisse.
 
Bäääm.
 
 
 
Man mag es kaum glauben:
aber mein Kalender ist bereits jetzt schon wieder voll mit Terminen bis .. ja.. bis zum Ende der Sommerferien!
 
Ich frage mich, ob die Kalorien, die nachts die Kleidung enger nähen, entfernte Verwandte haben, die es per Zauberhand schaffen, leere Terminkalender in Zeugen unseres eigenen Lebens im Akkord zu verwandeln.
 
 
Wie schafft ihr das alle?
Ich habe 3 Kinder, einen Mann, 2 Haustiere- und die Woche hat nur 7 Tage, wobei jeder Tag lediglich 24 Stunden hat.
 
 
 
Es ist Ende Januar- und ich muss bereits jetzt beim Vereinbaren von diversen Terminen jonglieren. Erst gestern wieder musste ich mehrere Terminvorschläge ablehnen, weil bereits alles verplant und organisatorisch eine Lösung nicht möglich war.
Es ist ja nicht so, dass ich Arzthelferinnen absichtlich das Leben schwer mache und Termine ablehne nur um sie zu schikanieren.
Für sowas hab ich gar keine Zeit :-D
 
Zurück zum Thema..
Voller Terminkalender.
Irgendwas is ja immer.
Kennt ihr, oder?
 
Und weil mich das so annervt, dass irgendwie immer die schönen Sachen zugunsten von "DAS MUSS JETZT ABER SEIN WEIL KONVENTION ERWARTET DAS" abgesagt werden, hab ich dieses Jahr mal anders herum angefangen:
 
Wir haben eine Liste gemacht.
 
- Welche Dinge müssen erledigt werden? (diese Liste reicht grob geschätzt bis ins Jahr 2065)
- Welche davon wollen wir dieses Jahr erledigen?
- welche Ausflüge wollen wir dieses Jahr machen?
- Was ist uns dieses Jahr wichtig?
 
Dann haben wir diese Punkte fest in den Kalender eingeplant. Die To DO Punkte mit genug Puffer,... hey wir haben Kinder. Da muss man das Unerwartete einplanen. Magen Darm Grippe. Läuse. Influenza. Pubertät. Was halt so passieren kann.
 
Zwischen all diesen To DO Punkten haben wir unsere Wunsch-Ausflüge und Unternehmungen eingeplant.
 
Und wenn es möglich war, auch bereits organisiert.
So haben wir schon Karten für das Theaterstück auf der Waldbühne im Sommer und auch für das Ritterfest am Schloss.
 
Wir haben entschieden wie wann wo und in welchem Rahmen wir welchen Geburtstag, Taufe, Einschulung und Konfirmation feiern und wer eingeladen wird und was es zu essen gibt.
 
Wir sind so gut organisiert ins neue Jahr gestartet, dass uns nur eines dazwischen funken kann:

DAS LEBEN.
 
In Anbetracht dessen, dass es das sowieso tut, egal wie wir planen, haben wir diesen Faktor jetzt einfach mal ausgeklammert und ignorieren ihn.
 
 
 
Wir machen jetzt unser Ding.
Komme was wolle.
 
 
 
Worauf ich mich besonders freue?
 
Da gibt es einiges.
 
Mein großes persönliches Ziel ist die Strandkorbecke im Garten. An meinem Geburtstag möchte ich dort sitzen, Füße im feinen Sand, Lampions im Baum und den Feuerkorb mit Stockbrot daneben.
Dort möchte ich sitzen, mit meinen liebsten Freundinnen und das Leben feiern.
 
Nicht mehr- und nicht weniger.
 
Und.. welche Pläne habt ihr für 2016?
 
 
Herzlichst,
 
Eure Bella
 
PS: Ich habs getan. MONATE hab ich diesen Strickstoff gehütet, gestreichelt, wieder versteckt... und jetzt.. ist er eine Delicia geworden. Nicht irgendeine Delicia. MEINE absolute Lieblingsdelicia. Meist trag ich sie an Montagen. Dann fühl ich mich gleich besser- und nicht so weit vom Wochenende entfernt.
 
SM ist natürlich von Erbsünde.
 
Und weil mir danach ist, geht's heut mal wieder zu RUMS