Dienstag, 20. Dezember 2016

Ein Lächeln trägt sich weiter.


..und schon ist wieder ein Jahr rum und wir sitzen alle in vorweihnachtlicher Besonnenheit herum und schlagen uns die Bäuche voll mit Keksen und Weihnachtsgebäck, Lumumba und allem, was auf den berühmt berüchtigten Jahresendfeiern, im Volksmund auch Weihnachtsfeier genannt, so kredenzt wird.
Unterbrochen wird die besinnliche Zeit durch Anflüge hektischen Treibens, um auch ja pünktlich am 24. unterm Tannenbaum alle glücklich  zu machen. Ergo: Geschenkekaufwahn. Dekorationswahn. Hektisches auf-den-letzten-Drücker-organisieren mit Adrenalinwerten jenseits von Gut und Böse.

So  oder so ähnlich mag es sicher bei vielen von uns aussehen. Mehr oder weniger.



Ich erinnere mich an die Zeit vor genau einem Jahr. Zu dem Zeitpunkt habe ich in einem Flüchtlingscamp gearbeitet. Auch an Weihnachten und Silvester waren wir vor Ort. Natürlich.

Alle waren überfordert, keiner wusste, wie es weitergeht, aber die Situation war, wie sie war. Auf einmal waren sie da, die Flüchtlinge. Brauchten ein Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung, medizinische Versorgung. Ein nettes Wort.

Was sie erlebt haben, welche Strapazen sie hinter sich hatten, stand irgendwie nie wirklich zur Debatte. Keiner hat gefragt: "Du, erzähl  mal, wie war denn die Flucht? Wie ist es denn so, im Krieg, was hast du alles erlebt?"

Nein, das hat keiner gefragt.

Es war auch  nicht wichtig.

Wir haben gehandelt.



Mit einigen habe ich noch immer Kontakt.
Einige haben ihr Bleiberecht für 3 Jahre erhalten. Einige warten noch immer auf Bescheid. Einige sind nicht mehr in Deutschland. Einer von ihnen meldete sich aus Griechenland bei mir. "Hallo Frau Bella, wie geht es dir?"



Obwohl ich letztes Jahr mittendrin war, mit meiner kompletten Familie, in dieser "Flüchtlingsgeschichte", waren wir doch meilenweit entfernt.

Wir hatten keine Ahnung, was dort, in der Ferne, tatsächlich passierte. Welche Verzweiflung, Wut und Trauer die Menschen bewegte.

Im letzten Jahr haben wir einen Eindruck bekommen.



Der für mich schlimmste Moment war tatsächlich der Anschlag in Nizza. Dort, wo wir so oft spazieren gegangen sind, das Meer bewunderten in seinen grünblauen Schattierungen und die Sonne uns die Haut versengte, wo Paparazzis herumlungerten und wir die Touristen belächelten, weil wir selbst uns nicht mehr dazu zählten. Wir waren dort zuhause.

Als dieses Zuhause im Juli bei den Feierlichkeiten auf der Strandpromenade zu einem ausgelagerten Schlachtfeld eines so fernen Krieges wurde, hat es mich zum ersten Mal so richtig brutal erwischt.

Obwohl.. das stimmt nicht ganz. Bataclan. Paris. Ich hatte Angst. Angst um die Stadt, die ich so liebe. Angst um den Menschen, den ich so liebe, der dort lebt. Panik, ob sie an dem Tag im Stadion war, wie so oft.

Panik, bis ich wusste, sie ist in Sicherheit. Nicht auf einem Konzert in einem Club.

Meine Komfortzone, meine Wohlfühlzone, mein Zuhause, wurde angegriffen. Mein Frankreich.

Und nun, inzwischen- Deutschland.



Kann man, soll man, darf man Weihnachten feiern- inmitten dieses großen Kriegsschauplatzes mit Verletzten und Toten? Mit einem Krieg, der uns inzwischen erreicht hat, uns herausreißt aus der trügerischen Sicherheit, bei uns passiere so etwas nicht?
Hier, wo wir bislang die größte Gefahr in der Afd und rechtspopulistischorientierten Kreaturen sahen?

JA!
Das sollen, müssen und dürfen wir!

Wir sollen, müssen und dürfen das Leben feiern. Ich bin nicht traurig drum, wenn der Konsumrausch gedämpft wird.
Ich heiße es gut, wenn wir uns dieses Jahr vielleicht auf andere Dinge besinnen- und vielleicht einfach mal schätzen, was wir haben.



Eine Familie, ein warmes Zuhause. Freunde. Liebe. Sicherheit.

Und wir sollten alles tun, um das Leben das wir leben, zu schützen. Damit meine ich nicht: Greift zu den Waffen, verteidigt euch, lasst den Kampf beginnen, alles was fremd ist muss raus, denn es ist eine potenzielle Gefahr.

FALSCH.
Die Gefahr ist, dass wir das verlieren, was uns dieses Leben ermöglicht.
Unsere Demokratie. Unser Liberalismus. Unsere Freude am Leben miteinander. Respekt voreinander.

Wenn wir das verlieren, verlieren wir mehr als Häuser und Städte. Dann verlieren wir unsere Identität, die wir uns in den letzten 70 Jahren so mühsam aufgebaut haben.

Wir sind Deutschland.

Und das sollten wir feiern. Ganz besonders an diesem Weihnachten.
Und vielleicht einfach mal Lächeln.



Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, darauf zu achten, beim Geschenkemarathonkauf zu lächeln. Nette Worte zu finden. Danke zu sagen.
Ob zur völlig gestressten Dame an der Kasse, dem jungen Mann, der Schmalzkuchen verkauft- oder auch der Flüchtlingsfamilie, die ihr erstes Weihnachten in Deutschland feiert und auf dem Weihnachtsmarkt staunt, ohne zu verstehen, was hier vor sich geht.
Ich lächle.


Ein Lächeln trägt sich weiter. Es mag nur eine kleine Geste sein. Aber sie hat Macht.




Danke an jeden, der sich die Mühe gemacht hat, diesen Text zu lesen.
Und danke an jeden, der auch nur ein einziges Lächeln weiter gibt.


DANKE!

Mein Kleid ist mein Beitrag zum LillestoffWeihnachtskleid. Mal nicht in traditionellen gedeckten Weihnachtsfarben oder rot- nein.. gelb. Dieses Jahr finde ich, braucht es ein Strahlen im Dezember. Wie die Sonne. Wie das Leben.

Herzlichst,

Bella


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Kommentare:

  1. Uiuiui, da hast du ja einiges erlebt. Ich war noch nie auf deinem Blog, daher weiß ich nichts über dich. Respekt für deine umfangreiche Hilfe - komplett mit Familie eingespannt gewesen, zu Weihnachten, Silvester ... toll, das verdient Anerkennung. Schön dass dein lieber Mensch in Paris nicht vor Ort war und ich hoffe, dass du und deine Lieben auch weiter hin verschont bleibt.

    Es ist schön, dass du uns zu einem Lächeln aufforderst - tut wirklich gut in dieser hektischen Zeit. Ja, wir feiern auch und besinnen uns dabei umso mehr, wie gut wir es haben. Gerade heute nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Nein, wir ziehen uns nicht zurück und gehen trotzdem unter Leute.

    Danke für den Beitrag.
    lg Charla

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  2. Ach ja: ein sehr schönes Kleid, und eine schöne Fotostrecke die es nach und nach präsentieren.
    lg Charla

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Alles Liebe,

Bella